Werbung – diese Seite kann Hinweise zu Partnern enthalten. Mehr dazu
Sie haben einen Kreditvertrag unterschrieben und zweifeln? Das Gesetz gibt Verbrauchern ein Widerrufsrecht: Sie können den Vertrag in der Regel binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen widerrufen. Dieser Ratgeber erklärt, wann die Frist beginnt, wie Sie richtig widerrufen, was danach mit Geld und Zinsen passiert und was bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung gilt.
Das Widerrufsrecht beim Verbraucherkredit
Bei Verbraucherdarlehen hat der Kreditnehmer ein gesetzliches Widerrufsrecht (§ 495 in Verbindung mit § 355 BGB). Es schützt vor übereilten Entscheidungen und soll sicherstellen, dass Sie den Vertrag in Ruhe prüfen können. Es gilt für Ratenkredite, Autokredite, Rahmenkredite und viele weitere Verbraucherdarlehen, auch für Online-Abschlüsse. Für Unternehmer und Selbstständige, die den Kredit für ihr Geschäft aufnehmen, gilt es nicht in gleicher Weise. Die Erklärung des Widerrufs ist ein einseitiges Recht, die Bank muss nicht zustimmen.
Im Lexikon finden Sie eine kurze Definition. Hier geht es um die praktische Anwendung.
Widerrufsfrist: Wann beginnt sie?
Die Frist beträgt 14 Tage. Sie beginnt mit dem Vertragsschluss, aber nicht, bevor Sie alle Pflichtangaben erhalten haben (§ 356b BGB). Dazu gehören unter anderem Angaben zu Art des Darlehens, Nettodarlehensbetrag, effektivem Jahreszins, Laufzeit, Raten, Gesamtbetrag, Sicherheiten und eine ordnungsgemäße Widerrufsinformation. Fehlen Pflichtangaben oder ist die Widerrufsinformation fehlerhaft, beginnt die Frist nicht. Das Widerrufsrecht kann dann länger bestehen und erlischt erst unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel wenn die Bank die fehlenden Angaben nachholt, dann läuft eine neue Frist von einem Monat.
Fristberechnung im Beispiel
| Situation | Frist |
|---|---|
| Vertrag unterschrieben am 1., Unterlagen vollständig erhalten am 1. | Bis zum 15. des Monats |
| Vertrag am 1. unterschrieben, Pflichtangaben erst am 5. erhalten | Frist beginnt erst mit Erhalt, Ende am 19. |
| Widerrufsinformation fehlerhaft oder fehlt | Frist läuft nicht an, Widerruf möglich, bis fehlerfrei nachgeholt wird |
Für die Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Versenden Sie ihn am besten so, dass Sie den Zugang nachweisen können.
So widerrufen Sie richtig: Schritt für Schritt
- Frist prüfen. Notieren Sie Vertragsschluss und den Zeitpunkt, zu dem Sie alle Unterlagen erhalten haben.
- Widerruf formulieren. Schreiben Sie ausdrücklich, dass Sie den Vertrag widerrufen. Nennen Sie Name, Anschrift, Vertragsnummer und Datum. Einen Grund brauchen Sie nicht.
- Textform wählen. Brief, E-Mail oder Online-Formular reichen, Anruf allein nicht. Ein Einschreiben mit Rückschein oder E-Mail mit Zustellungsnachweis hilft beim Beweis.
- Rechtzeitig absenden. Die Absendung innerhalb der Frist genügt.
- Rückzahlung vorbereiten. Wenn der Kredit schon ausgezahlt wurde, müssen Sie den Betrag binnen 30 Tagen nach Zugang des Widerrufs zurückzahlen.
- Bestätigung aufbewahren. Lassen Sie sich den Eingang bestätigen und bewahren Sie alle Unterlagen auf.
Muster für ein Widerrufsschreiben
Absender mit Name und Anschrift
An: Bank, Anschrift
Betreff: Widerruf meines Darlehensvertrags Nr. [Nummer] vom [Datum]
Hiermit widerrufe ich den von mir am [Datum] abgeschlossenen Darlehensvertrag Nr. [Nummer]. Bitte bestätigen Sie mir den Eingang dieses Widerrufs schriftlich und teilen Sie mir mit, wie die Rückabwicklung erfolgt.
Datum, Unterschrift
Was passiert nach dem Widerruf?
Mit dem Widerruf wird der Vertrag in ein Rückabwicklungsverhältnis umgewandelt. Beide Seiten müssen zurückgeben, was sie erhalten haben (§ 357a BGB). Konkret:
- Kreditnehmer: Zahlt das erhaltene Darlehen binnen 30 Tagen nach Zugang des Widerrufs zurück und zahlt Zinsen für die Zeit, in der er das Geld hatte, sofern es ausgezahlt wurde.
- Bank: Erstattet bereits gezahlte Zinsen, Gebühren und andere Zahlungen des Kreditnehmers binnen 30 Tagen nach Erhalt der Erklärung.
Rechenbeispiel: Widerruf nach Auszahlung
Ein Kredit über 10.000 Euro mit 7 % Sollzins und 48 Monaten hätte eine Monatsrate von 239,46 €. Wird er nach 10 Tagen widerrufen und zurückgezahlt, fallen nur Zinsen für diese 10 Tage an, etwa 10.000 € × 7 % × 10 ÷ 365, also rund 19 Euro. Das Risiko ist gering, wenn Sie das Geld nicht ausgegeben haben.
Schufa-Eintrag?
Der Abschluss eines Kredits wird gemeldet. Wird er widerrufen und zurückgezahlt, sollte der Eintrag gelöscht oder als erledigt gemeldet werden. Fragen Sie nach, wie die Bank den Widerruf meldet, und prüfen Sie später Ihre Schufa-Datenkopie.
Verbundene Geschäfte: Kredit und Kaufvertrag
Wenn Kreditvertrag und Kaufvertrag eine wirtschaftliche Einheit bilden, etwa bei einer Händlerfinanzierung für Auto, Möbel oder Küche, spricht man von einem verbundenen Geschäft (§ 358 BGB). Wirkung: Widerrufen Sie den Kredit wirksam, ist auch der Kaufvertrag nicht mehr bindend. Umgekehrt entfällt der Kredit, wenn Sie den Kaufvertrag wirksam widerrufen. Bei Waren, die schon geliefert wurden, gelten die Regeln zur Rückgabe. Besonders relevant ist das bei der Autofinanzierung.
Fehlerhafte Widerrufsbelehrung: Wann ein späterer Widerruf möglich ist
In der Vergangenheit enthielten viele Kreditverträge fehlerhafte oder unklare Widerrufsbelehrungen. Die Rechtsprechung hat in vielen Fällen entschieden, dass die Frist dann nie zu laufen begann und ein Widerruf auch Jahre später noch möglich war. Wer einen älteren Vertrag hat, kann prüfen lassen, ob die Belehrung wirksam ist. Eine Prüfung übernehmen Verbraucherzentralen oder spezialisierte Rechtsanwälte. Achten Sie darauf, dass Anbieter solcher Prüfungen seriös sind und keine Vorkasse verlangen. Außerdem hat der Gesetzgeber die Regeln für Immobiliendarlehen für Altverträge eingeschränkt. Lassen Sie sich im Einzelfall beraten, bevor Sie widerrufen, weil die Folgen erheblich sein können, etwa die Rückzahlung des gesamten Darlehens.
Wann sich ein Widerruf nicht lohnt
- Wenn Sie das Geld bereits verwendet haben und nicht zurückzahlen können.
- Wenn Sie lediglich bessere Konditionen suchen. Dann ist eine Umschuldung der passendere Weg.
- Wenn Sie Aufwand und mögliche Folgen für die Bonität scheuen.
Wenn Sie nur unzufrieden mit dem Zins sind, prüfen Sie zuerst die vorzeitige Rückzahlung. Bei Ratenkrediten darf die Bank nach § 502 BGB nur eine begrenzte Entschädigung verlangen, siehe Vorfälligkeitsentschädigung.
Glossar
- Widerrufsrecht
- Recht, einen Vertrag binnen Frist ohne Grund zu beenden.
- Textform
- Erklärung, die lesbar und dauerhaft festgehalten ist, zum Beispiel E-Mail.
- Verbundenes Geschäft
- Kredit- und Kaufvertrag bilden eine wirtschaftliche Einheit.
- Rückabwicklung
- Beide Seiten geben empfangene Leistungen zurück.
- Pflichtangaben
- Gesetzlich vorgeschriebene Informationen im Kreditvertrag.
Fazit
Das Widerrufsrecht ist ein starkes Verbraucherrecht. Prüfen Sie die Frist, widerrufen Sie in Textform und rechtzeitig, bewahren Sie Nachweise auf und rechnen Sie die Rückzahlung ein. Bei älteren Verträgen lohnt eine Prüfung der Widerrufsbelehrung. Wer nur bessere Konditionen sucht, ist mit einer Umschuldung besser beraten.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lange kann ich einen Kredit widerrufen?
14 Tage ab Vertragsschluss, aber nicht bevor Sie alle Pflichtangaben erhalten haben. Bei fehlerhafter Belehrung kann das Recht länger bestehen.
Muss ich einen Grund für den Widerruf nennen?
Nein, ein Grund ist nicht erforderlich.
Wie muss ich den Widerruf erklären?
In Textform, zum Beispiel per Brief oder E-Mail. Ein Anruf allein genügt nicht.
Was passiert mit dem Geld, wenn der Kredit schon ausgezahlt wurde?
Sie müssen es binnen 30 Tagen nach Zugang des Widerrufs zurückzahlen und Zinsen für die Nutzungsdauer zahlen.
Entstehen Kosten durch den Widerruf?
Die Bank darf keine Gebühren für den Widerruf verlangen. Zinsen für die Nutzungszeit können anfallen.
Gilt der Widerruf auch für Autokredite?
Ja. Bei verbundenen Geschäften wirkt der Widerruf des Kredits auch auf den Kaufvertrag.
Wird der Widerruf in der Schufa gemeldet?
Der Kredit wird nach Rückabwicklung als erledigt gemeldet beziehungsweise gelöscht. Prüfen Sie Ihre Schufa-Datenkopie.
Kann ich auch alte Verträge noch widerrufen?
Bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung unter Umständen ja. Lassen Sie das von einer Verbraucherzentrale oder einem Anwalt prüfen.
Gilt das Widerrufsrecht für Selbstständige?
Nur, wenn sie als Verbraucher handeln. Bei geschäftlichen Krediten gilt es in der Regel nicht.
Brauche ich einen Anwalt?
Für den einfachen Widerruf in der Frist nicht. Bei streitigen Fällen oder alten Verträgen ist Beratung sinnvoll.
Quellen und rechtliche Grundlagen
- BGB §§ 355, 356b, 357a, 358, 495
- Informationen der Verbraucherzentralen zum Widerruf von Verbraucherdarlehen
- Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und des Europäischen Gerichtshofs zur Widerrufsbelehrung
